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Raus aus den Bubbles
Meinem Eindruck nach zieht sich durch unsere gesamte Gesellschaft – und damit natürlich auch durch die Köpfe der Politiker – eine sehr problematische Art und Weise zu denken: Es gibt auf der einen Seite die normalen Menschen, und auf der anderen Seite die behinderten Menschen. Mit den normalen Menschen hat man tagtäglich zu tun und um die behinderten Menschen kümmern sich die Fachleute. Diese wissen am besten, was für die behinderten Menschen gut ist. Natürlich wird jeder halbwegs reflektierte Mensch dies jetzt laut zurückweisen. So hat man vor 50 Jahren gedacht, aber heutzutage ist die Inklusion viel weiter! Auf den ersten Blick stimmt das sogar. So ist beispielsweise die Zahl der Sonderschulen zurückgegangen, die Konzentration behinderter Menschen in Heimen und anderen Einrichtungen hat sich “verdünnt”, die Unterstützung einen Arbeitsplatz zu bekommen und zu behalten ist enorm.
Und doch: Ein wirkliches Zusammenleben findet nicht statt. Es scheitert nicht nur daran, dass es häufig für behinderte Menschen gar nicht möglich ist, spontan bei einer gemeinsamen Freizeitaktivität einfach mitzugehen. Wenn man einen schweren elektrischen Rollstuhl benutzt, sind wenige Stufen schon ein unüberwindbares Hindernis. Aber auch, wenn es in meinen Augen völlig problemlos wäre, bleiben die “Normalen” unter sich und alle Nicht-Normalen in ihren jeweiligen Gruppierungen. Kürzlich hat mir eine fitte junge Frau, die einfach nur hörgeschädigte ist, erzählt, dass in ihrem gesamten Bekanntenkreis nur ein Mensch ist, der keine Gehörprobleme hat.
So entstehen gefährliche Bubbles. Die “Normalen” leben ihr Leben relativ ungestört von übermäßigem Kontakt zu den Nicht-Normalen. Angesichts der hohen Gelder, die in die Hilfe für kranke, behinderte und alte Menschen fließen, können sie sich erfolgreich durch die angenehme Illusion bewegen, dass die Fachleute ihre Arbeit schon gut machen.
Viele haben dann ein raues Erwachen, wenn sie alt und pflegebedürftig geworden sind und erleben müssen, dass in den Heimen eben nicht immer jemand da ist, wenn man Hilfe braucht. Wie oft schon habe ich gehört, dass Menschen davon ausgehen, dass es im Betreuten Wohnen Betreuung für alte Menschen gibt. Wer, der nichts mit dem Thema zu tun hat, weißt schon, dass das nicht stimmt?
Wer mit behinderten Menschen zu tun hat, hat häufig mehr Arbeit. Vielleicht wird man um kleinere Hilfestellungen gebeten. Oder man muss bei einer gemeinsamen Unternehmung etwas früher aus dem Haus, um den anderen abzuholen und in der Straßenbahn zu begleiten. Wer hat schon Lust darauf Rücksicht zu nehmen? Und wenn man sich dann zurücklehnen kann in der Sicherheit, dass es jenen anderen Menschen schon gut geht, ist das so viel bequemer. Warum also seine Blase der heilen Welt verlassen?
Und die behinderten Menschen? Leben in dieser Personengruppe nicht auch viele Menschen in ihrer eigenen Blase, die sie nicht verlassen, damit sie nicht in unsichere Situationen kommen?
Ich kenne das Gefühl, alleine im Rollstuhl irgendwo hinzugehen, wo ich niemanden kenne. Es ist unangenehm, andere Menschen zu fragen, den Aufzug zu rufen und dort die Knöpfe zu drücken. Bei einer Zugfahrt nach Amsterdam, die ich vor vielen Jahren alleine unternommen habe, ist hinter Bonn der Zug liegen geblieben. Wildfremde Menschen haben mir mehr als entgegenkommend geholfen. Wäre ich auf Nummer sicher gegangen, hätte ich meine Komfortzone nicht verlassen und wäre zu Hause geblieben, wäre ich um viele positive Erfahrungen ärmer. Immer wieder wird mir erzählt, wie mutig ich doch sei, wenn ich Sachen mache, die für nicht behinderte Menschen ganz selbstverständlich sind. Was für eine Erwartungshaltung steckt hinter solchen Aussagen? Ich möchte nicht zu Hause in meiner sicheren Wohnung sitzen und dort fröhlich vor mich hin vereinsamen. Ich möchte aber auch nicht, dass es einer Mutprobe gleichkommt das Haus zu verlassen. So werden nie mehr behinderte Menschen in der Öffentlichkeit gehen und so werden sich nie die verschiedenen Lebenswirklichkeiten überschneiden.
Ich kenne das Gefühl, alleine im Rollstuhl irgendwo hinzugehen, wo ich niemanden kenne. Es ist unangenehm, andere Menschen zu fragen, den Aufzug zu rufen und dort die Knöpfe zu drücken. Bei einer Zugfahrt nach Amsterdam, die ich vor vielen Jahren alleine unternommen habe, ist hinter Bonn der Zug liegen geblieben. Wildfremde Menschen haben mir mehr als entgegenkommend geholfen. Wäre ich auf Nummer sicher gegangen, hätte ich meine Komfortzone nicht verlassen und wäre zu Hause geblieben, wäre ich um viele positive Erfahrungen ärmer. Immer wieder wird mir erzählt, wie mutig ich doch sei, wenn ich Sachen mache, die für nicht behinderte Menschen ganz selbstverständlich sind. Was für eine Erwartungshaltung steckt hinter solchen Aussagen? Ich möchte nicht zu Hause in meiner sicheren Wohnung sitzen und dort fröhlich vor mich hin vereinsamen. Ich möchte aber auch nicht, dass es einer Mutprobe gleichkommt das Haus zu verlassen. So werden nie mehr behinderte Menschen in der Öffentlichkeit gehen und so werden sich nie die verschiedenen Lebenswirklichkeiten überschneiden.
Und genau dies könnte doch ein sinnvolles Ziel für alle sein! (Iris)


